Dienstag, 19. Januar 2016
Anne Boleyn - Schismatischer Katalysator
stupendo, 16:34h
England, 1534: Katharina von Aragon ist gesellschaftlich und politisch erledigt. Sie befindet sich im Exil, der König will eine Annullierung der Ehe mit ihr erzwingen. Zuerst mit ihrer Zustimmung, die sie verweigert, dann gegen ihren Willen mit Hilfe des Papstes. Leo X bedauert, dass dies nicht möglich sei, da für die Ehe bereits ein Dispens notwendig gewesen war. "Non possumus" - Wir können nicht.
Also verselbständigt Henry die Kirche von England. Das Parlament billigt den Supremat des Königs in seiner Funktion als Herrscher über die damit neu gegründete Kirche Englands. England macht sich damit Rom und die katholische Kirche einerseits und den Kaiser Spaniens andererseits zum Feind. Diesen um der Rache an seiner Tante, namentlich Katharina von Aragon, jene um der Treue zur Kirche und den damit verbundenen Einnahmen willen.
Und, wie so oft bei eminenten geschichtlichen Entscheidungen, steckt eine Frau dahinter: Anne Boleyn.
Lady Anne, wahrscheinlich 1507 in Blickling (möglicherweise auch 1501 in Hever Castle - die Komponenten werden hier häufig gemischt) geboren, wuchs einige Jahre in Hever auf, bevor sie eine Ausbildung am flandrischen und französischen zur Hofdame erhielt. Sie kehrte nach England zurück und schaffte es, Henrys Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Bis in die heutige Zeit gilt sie als anmutig, klug, schlagfertig und von eigenwilliger Schönheit.
Um nicht das Schicksal von Henrys Mätressen zu teilen, wie es unter anderem ihre Schwester Mary tat, drang sie auf mehr Sicherheit für sich und ihre Kinder.
Der König, erstaunt und überrascht und angestachelt von der Zurückweisung der Hofdame, setzte sich die kluge Anne zum Ziel seiner Jagd - mit allen Mitteln. Als er jedoch bemerkte, dass seine weltlichen Berater einerseits, aber andererseits auch sein Ohr am Herzen der katholischen Kirche, Thomas Wolsey, ihm nicht helfen konnten, verfiel er in tiefe Verzweiflung. Es hält sich hartnäckig das Gerücht, er habe ganze Nächte die Bibel gewälzt, um ein Hinweis von Gottes Gnaden (oder seinen Schreiberlingen) zu finden, das ihn aus seiner misslichen Lage befreien konnte. Wir sehen ihn buchstäblich vor uns, in einem Raum voller Türen, zu denen er keinen passenden Schlüssel findet - eine leibhaftige, hünenhafte Ausgabe von Alice im Wunderland. - Viel wahrscheinlicher ist es aber doch, dass er viele Gespräche mit seinen Beratern suchte und abends müde und erschöpft auf sein Bett fiel.
Die Lösung kam zu ihm in Gestalt des Zieles. Anne Boleyn, die nach wie vor Kontakte an den französischen und flandrischen Hof pflegte, hatte von dort die Schriften Martin Luthers bekommen. Und sie erzählte Henry von der neuen Theologie: Dass der Mensch nur seinem Gott und seinem Gewissen Rechenschaft schulde. Der aufgeblähte Kirchenstaat sei voller Pomp und nur noch auf den wohlgenährten Bauch der Prälaten und Würdenträger bedacht. Er solle sich von diesem Gebilde trennen und sich auf sein Gewissen berufen. (Als er ihrer überdrüssig war, bezeichnete er genau dieses Verhalten als das einer Natter an seiner Brust, was Lady Anne im Volksmund den Namen "Schwarze Nan" einbrachte)..
Also verselbständigt Henry die Kirche von England. Das Parlament billigt den Supremat des Königs in seiner Funktion als Herrscher über die damit neu gegründete Kirche Englands. England macht sich damit Rom und die katholische Kirche einerseits und den Kaiser Spaniens andererseits zum Feind. Diesen um der Rache an seiner Tante, namentlich Katharina von Aragon, jene um der Treue zur Kirche und den damit verbundenen Einnahmen willen.
Und, wie so oft bei eminenten geschichtlichen Entscheidungen, steckt eine Frau dahinter: Anne Boleyn.
Lady Anne, wahrscheinlich 1507 in Blickling (möglicherweise auch 1501 in Hever Castle - die Komponenten werden hier häufig gemischt) geboren, wuchs einige Jahre in Hever auf, bevor sie eine Ausbildung am flandrischen und französischen zur Hofdame erhielt. Sie kehrte nach England zurück und schaffte es, Henrys Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Bis in die heutige Zeit gilt sie als anmutig, klug, schlagfertig und von eigenwilliger Schönheit.
Um nicht das Schicksal von Henrys Mätressen zu teilen, wie es unter anderem ihre Schwester Mary tat, drang sie auf mehr Sicherheit für sich und ihre Kinder.
Der König, erstaunt und überrascht und angestachelt von der Zurückweisung der Hofdame, setzte sich die kluge Anne zum Ziel seiner Jagd - mit allen Mitteln. Als er jedoch bemerkte, dass seine weltlichen Berater einerseits, aber andererseits auch sein Ohr am Herzen der katholischen Kirche, Thomas Wolsey, ihm nicht helfen konnten, verfiel er in tiefe Verzweiflung. Es hält sich hartnäckig das Gerücht, er habe ganze Nächte die Bibel gewälzt, um ein Hinweis von Gottes Gnaden (oder seinen Schreiberlingen) zu finden, das ihn aus seiner misslichen Lage befreien konnte. Wir sehen ihn buchstäblich vor uns, in einem Raum voller Türen, zu denen er keinen passenden Schlüssel findet - eine leibhaftige, hünenhafte Ausgabe von Alice im Wunderland. - Viel wahrscheinlicher ist es aber doch, dass er viele Gespräche mit seinen Beratern suchte und abends müde und erschöpft auf sein Bett fiel.
Die Lösung kam zu ihm in Gestalt des Zieles. Anne Boleyn, die nach wie vor Kontakte an den französischen und flandrischen Hof pflegte, hatte von dort die Schriften Martin Luthers bekommen. Und sie erzählte Henry von der neuen Theologie: Dass der Mensch nur seinem Gott und seinem Gewissen Rechenschaft schulde. Der aufgeblähte Kirchenstaat sei voller Pomp und nur noch auf den wohlgenährten Bauch der Prälaten und Würdenträger bedacht. Er solle sich von diesem Gebilde trennen und sich auf sein Gewissen berufen. (Als er ihrer überdrüssig war, bezeichnete er genau dieses Verhalten als das einer Natter an seiner Brust, was Lady Anne im Volksmund den Namen "Schwarze Nan" einbrachte)..
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